Der Mercedes-Benz 300
„Adenauer“ im Museums-Check

Wirtschaftswunder in Mittelrot: Der legendäre Mercedes-Benz 300 „Adenauer“ im Museums-Check

Das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart rückt im Rahmen seiner „Close-up“-Serie ein ganz besonderes Juwel der Markengeschichte ins Rampenlicht: den Mercedes-Benz 300 der Baureihe W 186. Im Raum Mythos 4: Wunderjahre – Form und Vielfalt (1945 bis 1960) verweist das Spitzenmodell der 1950er-Jahre inmitten von Rock-’n’-Roll-Klängen auf den Geist des Aufbruchs und des wachsenden Wohlstands. Das ausgestellte Exemplar aus dem Jahr 1952 zieht die Blicke vor allem durch seine Lackierung an: Er strahlt im seltenen Mittelrot (Farbcode DB 516), während die allermeisten Staatskarossen damals in gedeckten Farben ausgeliefert wurden.

Der Maßstab des deutschen Automobilbaus

Bei seiner Premiere im Jahr 1951 setzte der Typ 300 neue Standards für Komfort, Souveränität und gesellschaftlichen Anspruch. Als er 1952 in Mainz ausgeliefert wurde, war er das größte und schnellste Serienautomobil aus deutscher Produktion. Angetrieben von einem kultivierten 3,0-Liter-Sechszylinder-Reihenmotor mit 85 kW (115 PS) erreichte die Luxuslimousine eine für damalige Verhältnisse beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h. Die Motorbasis teilt sich die Repräsentationslimousine mit den exklusiven Spitzenmodellen 300 S (W 188) und dem legendären Flügeltürer 300 SL (W 198).

Im eleganten Interieur traf traditionelle Sindelfinger Handwerkskunst auf edle Materialien, die bis heute die Individualisierungsangebote der Marke prägen:

  • Edles Ambiente: Die straffe, komfortable Polsterung erstrahlt in einer grau-roten Stoff-Kunstleder-Kombination. Armaturenbrett und Fensterlaibungen wurden komplett aus Holz gefertigt.

  • Chrom und Luxus: Zahlreiche Bedienelemente sind hochglanzverchromt – darunter die Tasten des historischen Becker-Radios „Nürburg“ sowie der markante Hupring im elfenbeinfarbenen Lenkrad.

  • Ergonomie-Pionier: Für Langstreckenkomfort sorgte der nach dem Keiper-Patent verstellbare Fahrersitz mit individuellem Kippmechanismus für die Rückenlehne.

Unprätentiöse Linienführung und skulpturales Design

Schon die zeitgenössische Fachpresse wie das Magazin Autocar lobte Anfang 1952 die unprätentiöse Linienführung und den extrem hohen stilistischen Kontinuitätsschutz der Sindelfinger Karosseriearbeiten. Ein besonderer gestalterischer Kniff der Stylisten war die schwungvolle Wölbung des vorderen Kotflügels, die sich bis in die vorderen Türen zieht. Ein ungewöhnliches Detail der frühen 50er-Jahre sind zudem die in farblosem statt gelbem Glas auslaufenden Blinkergläser an den vorderen Kotflügeln, die perfekt mit dem roten Originallack harmonieren.

Der Dienstwagen des ersten Bundeskanzlers

Ihren bis heute geläufigen Spitznamen verdanken die Baureihen W 186 und der spätere W 189 dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer. Der CDU-Politiker pflegte eine innige Beziehung zum Typ 300 und nutzte während seiner bis 1963 andauernden Amtszeit insgesamt sechs verschiedene Exemplare. Sein finales Dienstfahrzeug übernahm er schließlich als Privatwagen – dieser ist ebenfalls in der Stuttgarter Ausstellung im Raum Collection 4: Galerie der Namen zu bewundern.

Unter dem Slogan „Unerreicht … und doch erreichbar“ transportierte der 300er das ultimative Aufstiegsversprechen der Nachkriegszeit und wurde zum ultimativen Symbol für wirtschaftlichen Erfolg und politische Souveränität.

Quelle: Mercedes-Benz AG

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