Porsche testet
neuen Formel-E-Rennwagen der GEN4

Porsche treibt die Entwicklung seines künftigen Formel-E-Rennwagens mit hohem Tempo voran. Der neue vollelektrische Monoposto nach dem Reglement der vierten Fahrzeuggeneration befindet sich seit November im Testbetrieb. Mit bis zu 600 kW (816 PS), permanentem Allradantrieb, neuen Reifen und mehr Abtrieb verspricht die sogenannte GEN4 den bislang größten Leistungssprung in der Geschichte der Rennserie.

Im Mittelpunkt steht für Porsche jedoch nicht allein die höhere Performance. Das Lastenheft für den neuen Rennwagen ist deutlich breiter angelegt: Die eigens entwickelten Komponenten sollen leichter, haltbarer und zugleich kosteneffizienter werden. Bis Oktober bleibt dem Hersteller Zeit, sein bislang umfangreichstes Hardware-Paket für die Formel E weiterzuentwickeln. Danach soll die kontinuierliche Optimierung der Software in den Vordergrund rücken.

Mehr Eigenentwicklungen als je zuvor

Porsche nutzt die Formel E seit Jahren auch als Entwicklungsplattform für Technologien, die für Serienfahrzeuge relevant sind. Mit der GEN4 wächst dieser Anspruch weiter. Neu hinzu kommen vor allem zwei Komponenten: ein Gleichspannungswandler und ein Brake-by-Wire-System.

Schon bisher entwickelte Porsche für sein Formel-E-Auto zahlreiche zentrale Bauteile selbst. Dazu zählen unter anderem Betriebssoftware, Pulswechselrichter, Elektromotor, Getriebe, Differenzial, Antriebswellen sowie weitere Antriebskomponenten an der Hinterachse. Auch Kühlungs-, Träger- und Aufhängungskomponenten gehören dazu.

Nach Angaben von Porsche liegt der Wirkungsgrad des aktuellen Antriebsstrangs bei über 97 Prozent. Von der Batterie bis zum Rad gehen damit weniger als drei Prozent der eingesetzten Energie verloren. Für die neue Generation standen neben weiterer Effizienzsteigerung vor allem Gewicht, Dauerhaltbarkeit und Kosten im Fokus. Gleichzeitig steigt die Leistung im Attack Mode deutlich.

Entwicklung unter hohem Druck

Die Arbeiten am neuen Formel-E-Porsche GEN4 laufen unter außergewöhnlichem Zeitdruck. Porsche musste parallel am aktuellen Rennfahrzeug, an dessen Weiterentwicklung und zugleich schon an der nächsten Generation arbeiten. Genau diese Mehrfachbelastung beschreibt das Unternehmen als Entwicklung unter dreifachem Druck.

Bis Mitte Januar absolvierte der neue Rennwagen bereits 1.472 Testkilometer auf den spanischen Rundkursen in Monteblanco und Almería. Ein großer Teil der Entwicklung findet jedoch im Simulator statt. Das spart Ressourcen, reduziert Kosten und ermöglicht es, neue Erkenntnisse schneller zu validieren.

In der frühen Testphase konzentriert sich Porsche vor allem auf die Zuverlässigkeit und das Zusammenspiel aller Komponenten. Erst danach rückt die reine Performance schrittweise stärker in den Mittelpunkt. Zusätzlich ist auch das Porsche-Kundenteam in die Erprobung eingebunden, bevor die FIA den Entwicklungsstand im Herbst homologiert.

Fahrer sprechen von völlig neuem Erlebnis

Auch die Rückmeldungen der Porsche-Werksfahrer zeigen, wie deutlich sich das neue Fahrzeug vom bisherigen Formel-E-Auto unterscheidet. Pascal Wehrlein beschreibt den neuen Rennwagen als sehr schnell und betont vor allem den spürbaren zusätzlichen Abtrieb in schnellen Kurven. Dadurch wirke das Auto deutlich agiler und leistungsfähiger.

Nico Müller spricht sogar von einem „richtigen Biest“. Besonders der permanente Allradantrieb, die starke Beschleunigung und das aggressive Fahrverhalten würden das Erlebnis grundlegend verändern. Seiner Einschätzung nach dürfte sich mit der neuen Technik auch der Renncharakter der Formel E deutlich verschieben.

Mit der GEN4 arbeitet Porsche damit an einem Rennwagen, der nicht nur schneller, sondern auch technologisch anspruchsvoller werden soll. Für den Hersteller ist das Projekt zugleich Motorsportprogramm und Entwicklungsfeld für künftige Elektro-Sportwagen.

Quelle: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

Aktuelle und
Passende ARTIKEL